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Lesereise in den Globalen Süden: Unsere Buchtipps

Ein gutes Buch kann uns an Orte führen, die weit entfernt scheinen. Es lässt uns andere Perspektiven kennenlernen, erzählt von unterschiedlichen Lebensrealitäten und kann manchmal sogar unseren Blick auf die Welt verändern.
Im Entwicklungshilfeklub sind wir durch unsere tägliche Arbeit mit Menschen und Partner-Organisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika verbunden. Doch es gibt viele Wege, sich mit diesen Regionen und ihren Geschichten auseinanderzusetzen. Einer davon führt über Bücher.

Deshalb haben wir einige unserer persönlichen Empfehlungen und Buchtipps gesammelt: Bücher über globale Entwicklung und Ungleichheit, Romane, die uns nach Asien, Afrika und Lateinamerika mitnehmen, und Geschichten für jüngere Leserinnen und Leser.

Kommen Sie mit uns auf eine Lesereise in den Globalen Süden. Vielleicht ist auch Ihre nächste Lektüre dabei.

Globale Entwicklung verstehen

Warum sind manche Länder reich und andere arm? Welche Rolle spielen Kolonialismus, das Weltwirtschaftssystem und politische Entscheidungen? Und welche Maßnahmen können tatsächlich dazu beitragen, Armut zu überwinden?
Drei Sachbücher, die sich diesen Fragen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln nähern.

Walter Rodney: „Wie Europa Afrika unterentwickelte“

Warum herrscht in vielen Ländern Afrikas bis heute Armut? Der Historiker Walter Rodney widerspricht der Vorstellung, dies sei auf natürliche Gegebenheiten oder fehlende Entwicklung zurückzuführen. Stattdessen zeigt er die historischen Zusammenhänge zwischen Kolonialismus, Europas wirtschaftlichem Aufstieg und der Unterentwicklung Afrikas auf.

Unser Tipp: Besonders interessant für alle, die sich für Geschichte begeistern – und für jene, die es noch werden wollen.

Abhijit V. Banerjee & Esther Duflo: „Poor Economics“

Gut gemeint bedeutet nicht automatisch gut gemacht. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler Abhijit V. Banerjee und Esther Duflo beschäftigen sich damit, warum politische Maßnahmen gegen Armut nicht immer dort ankommen, wo sie sollen – und welche Ansätze tatsächlich hilfreich sein können.
Dabei gelingt es ihnen, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich aufzubereiten. Für ihre Forschungsarbeit zur Bekämpfung globaler Armut wurden Banerjee und Duflo 2019 gemeinsam mit Michael Kremer mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet.

Unser Tipp: Für alle, die wissenschaftliche Erkenntnisse zu Armut und Entwicklungszusammenarbeit verständlich erklärt bekommen möchten.

Jason Hickel: „Die Tyrannei des Wachstums“

Wie ist globale Ungleichheit entstanden – und welche Rolle spielt unser Wirtschaftssystem dabei? Jason Hickel wirft einen kritischen Blick auf die bestehenden globalen Strukturen und beschäftigt sich mit der Frage, was sich verändern müsste, um Armut und Ungleichheit nachhaltig zu überwinden.

Unser Tipp: Ein Sachbuch mit viel Pepp für alle, die sich kritisch mit unserem Weltwirtschaftssystem auseinandersetzen möchten.

Literarische Reise nach Asien

Von Afghanistan über Damaskus bis in eine indische Megacity: Unsere nächsten drei Empfehlungen erzählen sehr unterschiedliche Geschichten – und geben dabei Einblicke in das Leben an ihren jeweiligen Schauplätzen.

Khaled Hosseini: „Tausend strahlende Sonnen“

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen und ihre Lebenswege im vom Krieg geprägten Afghanistan. Ihre Schicksale führen sie schließlich zusammen und zwischen den beiden entwickelt sich eine besondere Freundschaft.
Der Roman erzählt von großen Herausforderungen, gesellschaftlichen Zwängen und Gewalt, aber auch von Zusammenhalt.

Unser Tipp: Tieftraurig und gleichzeitig unglaublich berührend – eine große Leseempfehlung.

Rafik Schami: „Das Geheimnis des Kalligraphen“

Mit diesem Roman geht es nach Damaskus. Rafik Schami zeichnet ein lebendiges Bild der Stadt und erzählt eine Geschichte, in der auch die arabische Sprache und Schrift eine besondere Rolle spielen.

Unser Tipp: Besonders für alle, die sich für die arabische Sprache und die Kunst der Kalligrafie interessieren – oder beim Lesen ein Gefühl für Damaskus bekommen möchten.

Aravind Adiga: „Der letzte Mann im Turm“

Der Roman spielt in einer indischen Megacity und vermittelt eindrücklich ein Gefühl davon, wie es sein kann, in einer solchen Millionenstadt zu leben. Dabei spielen auch die sozialen Ungleichheiten innerhalb dieses Settings eine wichtige Rolle.

Unser Tipp: Für alle, die literarisch in das Leben einer indischen Megacity eintauchen und sich dabei auch mit den dort sichtbaren sozialen Ungleichheiten auseinandersetzen möchten.

Literarische Reise nach Afrika

Unsere literarische Reise führt weiter nach Afrika. Drei Romane, die über persönliche Geschichten auch gesellschaftliche Fragen aufgreifen – und dabei ganz unterschiedliche Erzählweisen wählen.

Abdulrazak Gurnah: „Die Abtrünnigen“

Abdulrazak Gurnah, Literaturnobelpreisträger des Jahres 2021, erzählt von Liebe, gesellschaftlichen Erwartungen und dem Umgang mit tiefgreifenden Veränderungen. Der Roman spannt dabei eine vielschichtige, über Generationen reichende Familiengeschichte auf.

Unser Tipp: Für alle, die sich gerne Zeit für sprachlich anspruchsvolle Literatur und vielschichtige Figuren nehmen.

Sharon Dodua Otoo: „Adas Raum“

Ada begegnet uns in diesem Roman nicht nur einmal. Die Geschichte führt durch unterschiedliche Zeiten und an unterschiedliche Orte und überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Perspektiven und Wendungen.
So entsteht ein großer geografischer und zeitlicher Bogen, der sich nur schwer mit einem klassischen Roman vergleichen lässt.

Unser Tipp: Für alle, die Lust auf eine ungewöhnliche Erzählweise haben. Schon die erste Zeile dürfte überraschen.

Alaa al-Aswani: „Der Jakubijân-Bau“

Ein großes Mehrparteienhaus und die Menschen, die darin leben, stehen im Mittelpunkt dieses Romans. Über ihre individuellen Geschichten nähert sich Alaa al-Aswani gesellschaftlichen Themen wie materieller Ungleichheit, Politik und Radikalisierung.

Unser Tipp: Gesellschaftliche und politische Fragen werden hier über persönliche Schicksale erzählt – und das ausgesprochen spannend.

Literarische Reise nach Lateinamerika

Unsere nächste Station führt nach Mexiko, Kolumbien und darüber hinaus. Dabei wird es romantisch, magisch und ein bisschen rebellisch.

Laura Esquivel: „Bittersüße Schokolade“

Ein historischer Liebesroman mit viel Fantasie und Humor: Laura Esquivels Geschichte spielt in Mexiko und verbindet Liebe und gesellschaftliche Konventionen mit einer ganz besonderen Zutat – dem Kochen.

Rezepte sind Teil der Erzählung und geben zusätzlich Einblicke in die kulinarische Welt der Geschichte.

Unser Tipp: Für alle, die Liebesgeschichten mögen und beim Lesen gerne auch kulinarisch auf Reisen gehen.

Gabriel García Márquez: „Hundert Jahre Einsamkeit“

Ein Klassiker der lateinamerikanischen Literatur und eines der bekanntesten Werke des magischen Realismus. Gabriel García Márquez erzählt die Geschichte der Familie Buendía über mehrere Generationen hinweg und entführt dabei in die fiktive Welt Macondos.

Unser Tipp: Poetisch, fantastisch und eine wunderbare Möglichkeit, für einige hundert Seiten gedanklich ins tropische Kolumbien zu reisen.

Paulo Coelho: „Hippie“

Mit Paulo Coelho geht es zurück in die Hippie-Zeit. Der autobiografisch geprägte Roman erzählt von Aufbruch, Reisen und der Suche nach einem anderen Leben.

Unser Tipp: Wer bereits „Der Alchemist“ gerne gelesen hat, könnte auch mit „Hippie“ seine Freude haben.

Lesetipps für Kinder und Jugendliche

Natürlich dürfen auch die jüngeren Leserinnen und Leser nicht fehlen. Für unsere letzten drei Empfehlungen haben wir Unterstützung bekommen: Die Buchhandlung Orlando hat uns drei Kinder- und Jugendbücher vorgeschlagen, die nach Brasilien, Indien und Westafrika führen.

Eymard Toledo: „Kayabu: Eine Geschichte aus Amazonien“

Eine abenteuerliche Freundschaftsgeschichte für Kinder ab sechs Jahren, angesiedelt am Rande des Amazonas-Regenwaldes.

Die Geschichte öffnet ein Fenster zur Welt der indigenen Bevölkerung Amazoniens und greift zugleich die Bedrohung ihres Lebensraums durch industrielle Abholzung und Rohstoffabbau auf.

Unser Tipp: Eine spannende Geschichte, die schon jüngeren Kindern einen Zugang zu einem wichtigen Thema ermöglicht.

Anushka Ravishankar: „Moin und das Monster – Eine Erzählung aus Indien“

Was passiert, wenn plötzlich ein unsichtbares Monster unter dem Bett sitzt? Der neunjährige Moin findet genau das heraus. Erst als er das Monster zeichnet, wird es sichtbar – und von diesem Moment an hat Moin alle Hände voll damit zu tun, es vor seiner Umwelt zu verbergen.

Unser Tipp: Moderne indische Kinderliteratur für Kinder ab neun Jahren – packend und mit viel Witz erzählt.

Ada Diagne: „Baobab – Die Legende vom Baum der Erinnerungen“

Zeyna lebt in einem westafrikanischen Dorf, aus dem plötzlich alle Fische verschwinden. Sie macht sich auf die Suche nach der Ursache und stößt dabei auf ein Geheimnis, das weit in die Vergangenheit und bis in die Kolonialzeit zurückreicht.

Unser Tipp: Eine Empfehlung für Leserinnen und Leser ab zwölf Jahren, die Abenteuer und Geschichte miteinander verbindet.

Lust bekommen, weiterzulesen?

Bücher können uns Länder und Regionen nicht vollständig erklären. Aber sie können uns Geschichten erzählen, Fragen aufwerfen und Stimmen und Perspektiven näherbringen, denen wir in unserem Alltag vielleicht nicht begegnen würden.

Genau deshalb möchten wir Sie mit unseren Buchtipps zu einer kleinen Lesereise in den Globalen Süden einladen. Vielleicht führt sie nach Asien, Afrika oder Lateinamerika – vielleicht regt eines der Bücher aber auch dazu an, globale Zusammenhänge noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und Entdecken!

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